Top.Mail.Ru

„ES WÄRE RISIKANTE SPEKULATION AUF WEITERE PREISSTEIGERUNGEN ZU WETTEN“

Immobilien werden immer teurer, vor allem in Megacities und Universitätsstädten. Aber es gibt viele Anzeichen für eine Preisumkehr.

22. MÄRZ 2021

Über dem Stadtteil Sulz erhebt sich die Kölner Wohnanlage Unicenter. Geradezu explosionsartige Immobilienpreise im Raum Köln und Bonn führen zu einer stark steigenden Nachfrage nach Baufinanzierungen. Im Berlin der Krone wird derweil ums Wohnen gekämpft: Für die Enteignung der Deutsche Wohnen werden Unterschriften gesammelt. 

Die staatliche Förderbank KfW warnt Käufer vor einer Verteuerung von Häusern und Wohnungen in Deutschland. Die Kombination der beiden Faktoren könnte bald zu fallenden Preisen führen. Die Bank warnt vor steigenden Immobilienpreisen in deutschen Großstädten. „Es wäre Spekulation, auf weitere Steigerungen der Wohnungspreise und Mieten in ohnehin schon teuren Städten zu setzen. Stattdessen wäre es ratsam, den möglichen Rückgang zu berücksichtigen “, heißt es in einer Marktanalyse des Instituts.

Als Hauptgründe nennt die KfW die rückläufige Zuwanderung nach Deutschland im Allgemeinen und die Bevölkerungszuwanderung in die Städte im Besonderen sowie ein erhöhtes Wohnungsangebot durch Neubauten. Von 2004 bis 2019 sind die durchschnittlichen Wohnimmobilienpreise in Deutschland um fast 70 Prozent gestiegen.

Diese Erhöhung war wirtschaftlich gerechtfertigt, während das verfügbare Einkommen um 41 Prozent stieg und der Bauzins von 4,7 auf 1,5 Prozent sank.

Damit bleibt der Kauf von Immobilien im Bundesdurchschnitt bezahlbar. Gleichzeitig hat die Zuwanderung aus dem Ausland zu einem Anstieg der physischen Wohnungsnachfrage geführt. Mittlerweile ist diese Zahl jedoch rückläufig, was sich auch in der Stagnation der Mietpreise widerspiegelt.

„Angesichts dieser Prognose gibt es Anzeichen für regionale spekulative Preisübertreibungen, nämlich dann, wenn der Anstieg weit über das hinausgeht, was durch niedrigere Zinsen und höhere Mieten gerechtfertigt wäre“, heißt es in der Analyse.

Dies sei "bei einigen großen und mittelgroßen Städten der Fall, in denen die Preise besonders stark gestiegen sind". Dazu gehören Berlin, Frankfurt am Main, München und Stuttgart. „In diesen Städten kann es zu einem mehr oder weniger starken Preisverfall kommen“, so der Experte weiter.

KfW-Ökonomen warnen jedoch davor, dass die Blase nur in Megacities auftritt. Auch in schwach strukturierten Regionen können die Immobilienpreise deutlich fallen. Viel hängt von der regionalen Wohnungsnachfrage ab.

„Der Kauf von Wohnimmobilien basiert vor allem darauf, dass sie später zu einem höheren Preis wieder verkauft werden können – das wird nicht mehr in allen Regionen Deutschlands funktionieren“, sagte KfW-Chefvolkswirtin Keller-Gabe.

Quelle: WELT-Ausgabe

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Schaltflächen anzeigen
Verstecken tasten
DE