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Warum der Traum vom Eigenheim für Deutsche oft unerfüllt bleibt.

Hohe Preise erlauben Familien nicht, Häuser für eine Familie zu kaufen. Kommunen bremsen den Neubau mit Einschränkungen. Allerdings kaufen immer mehr Deutsche Immobilien.

01. MÄRZ 2021



„Die eigenen vier Wände sind der wichtigste Ort der Welt“ lautet der Werbeslogan der Bausparkasse Schwäbisch Hall. Tatsächlich möchten viele deutsche Familien in ihren eigenen vier Wänden leben. In der Praxis wird dieser Wunsch immer weniger erfüllt. Bundesweit hat sich die Zahl der genehmigten Baugenehmigungen für Einfamilienhäuser seit 1999 mehr als halbiert, insbesondere in Megacities. In Berlin beispielsweise wurden laut Statistischem Amt Berlin-Brandenburg von Januar bis November 2020 nur 1.023 Ein- und Zweifamilienwohnungen genehmigt.
Wenigstens ist Berlin noch im Bau. Doch bald gibt es deutschlandweit Bauprobleme. In Hamburg etwa hat der Nordbezirk beschlossen, künftig keine Genehmigungen mehr für den Bau von Eigenheimen zu erteilen. Und auch jetzt werden Ein- und Zweifamilienhäuser in Hamburg praktisch nicht gebaut. Von Januar bis November 2020 wurden in Hamburg nur 867 Häuser mit einer oder zwei Wohnungen genehmigt. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 871. Und im November wurden nur zwei Ein- und Zweifamilienhäuser genehmigt.
 
Steigende Immobilienpreise
Wer heute ein Eigenheim kaufen statt bauen möchte, stößt schnell an die Grenzen seiner finanziellen Möglichkeiten. Die Immobilienpreise sind in den letzten zehn Jahren landesweit um 87 Prozent gestiegen. Und in einigen Regionen haben sich die Immobilienpreise im gleichen Zeitraum mehr als verdoppelt. In München kostet beispielsweise laut Immobilienscout24 ein Einfamilienhaus in mittlerer Wohnlage mittlerweile 11.750 Euro pro Quadratmeter. Bei einer Wohnfläche von 150 Quadratmetern werden es rund 1,7 Millionen Euro sein. Menschen mit mittlerem Einkommen können sich solche Immobilien nicht leisten.
Aufgrund steigender Preise müssen Käufer von Immobilien immer größere Beträge für Hypothekendarlehen bezahlen. Der Kreditvermittler Hüttig & Rompf hat folgende Zahlen angesetzt: Konnten sich Kreditnehmer 2010 für durchschnittlich 989 Euro monatlich ein Eigenheim für eine Familie finanzieren, müssen sie jetzt monatlich 1.292 Euro sparen. Das entspricht einer Steigerung von 31 Prozent.
 
Geringer Anteil an Immobilieneigentümern
Die Deutschen gelten im europäischen Vergleich als arm, wenn es um Wohneigentum geht. Die Wohneigentumsquote in Deutschland liegt mit 51 Prozent unter dem EU-Durchschnitt (28 Mitgliedstaaten) von 69 Prozent. Obwohl in einigen Ländern sogar niedrigere Werte, wie z. B. die Schweiz 42%.
 
Der Anteil der Haushalte in europäischen Ländern
Bemerkenswert ist, dass die Anteile von Einfamilienhäusern, Zweifamilienhäusern und Eigentumswohnungen am europäischen Wohnimmobilienmarkt unterschiedlich verteilt sind. Im EU-Durchschnitt besitzen 351 TP2T Immobilieneigentümer ein Einfamilienhaus, 191 TP2T ein Zweifamilienhaus und 461 TP2T eine Wohnung. In Kroatien ist der Anteil an Einfamilienhäusern mit 68 Prozent am höchsten. Das ist mehr als doppelt so viel wie in Deutschland. Wenn die Deutschen Wohnraum kaufen, bevorzugen sie Eigentumswohnungen, die 56 Prozent ausmachen.
Eigentum hängt oft vom Wohlergehen der Region ab. Daher vermuten viele, dass das wirtschaftsstarke Bayern die meisten Eigentümer hat. Tatsächlich liegt das problematischste Saarland mit 60 Prozent Eigenheimbesitzeranteil auf Platz eins, Berlin schließt mit 17 Prozent ab. Die Hauptstadt Deutschlands ist eine Hochburg der Mieter.
 
Anteil der Eigenheimbesitzer in Deutschland
Was den Eigentümerzuwachs betrifft, so zeigt sich in Deutschland in fast allen Bundesländern ein positiver Trend. Bundesweit stieg der Wert von 41 Prozent im Jahr 1998 auf 44 Prozent im Jahr 2018. Vor allem in den östlichen Bundesländern ist der Anteil der Familien mit Eigenheimen gewachsen. In Sachsen beispielsweise stieg der Wert von 29 auf 34 Prozent.
 
 
Quelle:  Handelsblatt Mediengruppe

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